Kompass für pädagogische Fachkräfte

Folge 18: Das tägliche Gebet (Tefillah / Salah) – Religiöse Praxis im interkulturellen Schulalltag

Im Schulalltag begegnen Lehrkräfte immer wieder religiösen Praktiken ihrer Schülerinnen und Schüler. Dieser Blogbeitrag, basierend auf der Podcast-Folge „Das tägliche Gebet“, bietet pädagogischen Fachkräften die Möglichkeit, ihr Wissen über die zentrale Bedeutung und die Ausführung des Gebets im Judentum (Tefillah) und Islam (Salah) zu erweitern. Er liefert fundierte Einblicke, die dabei helfen, das Verständnis für die spirituelle Praxis muslimischer und jüdischer Kinder und Jugendlicher zu vertiefen und Vorurteile abzubauen.

Hier ist ein Video von YouTube. Beim Anzeigen werden Daten an YouTube übertragen.

Mehr Informationen

Warum dieses Thema für den Unterricht wichtig ist

Das Verständnis für religiöse Gebetspraktiken ist entscheidend, um Vielfalt im Klassenzimmer zu fördern und mögliche Missverständnisse abzubauen. Indem Lehrkräfte die spezifischen Rituale, Zeiten und Bedeutungen des täglichen Gebets im Judentum und Islam kennenlernen, können sie sensibler auf die Bedürfnisse ihrer Schülerinnen und Schüler eingehen. Dies trägt dazu bei, Vorurteile gegenüber religiösen Praktizierenden zu reduzieren und ein Klima des Respekts und der Akzeptanz zu schaffen, das Extremismusprävention unterstützt. Ein tiefgehendes Verständnis fördert Empathie und ermöglicht einen konstruktiven Dialog über Glaubenspraktiken.

Die Glaubensbrücke: Was wir in dieser Folge lernen

  • Die jüdische Perspektive (Daniel): Das tägliche Gebet, genannt Tefillah, ist für Jüdinnen und Juden dreimal täglich – morgens (Schacharit), mittags/nachmittags (Mincha) und abends/nachts (Ma’ariv) – verpflichtend. Die Gebete sind verbal, können still oder laut und werden am selben Ort in Richtung Jerusalem verrichtet. Besondere Gebete, wie die Tora-Erbietung, erfordern das Stehen. Männliche Gläubige tragen zum Morgengebet einen Gebetsmantel (Tallit) und Gebetsriemen (Tefillin) mit Tora-Kapseln an Stirn und Arm. Frauen sind von dieser Pflicht befreit, da sie durch ihre Fähigkeit, Leben zu schenken, als spirituell höher gestellt gelten und diese Verbindung nicht ständig erneuern müssen.
  • Die muslimische Perspektive (Misbah): Im Islam wird fünfmal täglich zu festen Zeiten, die sich am Sonnenstand orientieren, gebetet (Salah). Diese Gebetszeiten sind Fadschr (Morgen), Zuhr (Mittag), Asr (Nachmittag), Maghrib (Abend) und Ischa (Nacht). Das Gebet findet auf einem Gebetsteppich in einem ritualisierten Bewegungsablauf statt, der Koranrezitation und Gebetstexte beinhaltet, beginnend mit der Sura Al-Fatiha. Misbah erläutert, dass das Gebet eine Beziehungspflege zu Gott darstellt und die Möglichkeit zur Erleichterung (z.B. Zusammenlegen oder Kürzen von Gebeten auf Reisen oder bei Krankheit) ein fester Bestandteil des Glaubens ist.
  • Das verbindende Element (Die Glaubensbrücke): Sowohl im Judentum als auch im Islam dient das tägliche Gebet als direkte Beziehungspflege zu Gott und als Rückzug aus dem Alltag. Beide Religionen legen Wert auf rituelle Reinheit (Tahara/Wudu) vor dem Gebet. Die Gebetszeiten sind an den Sonnenstand gebunden und variieren je nach Jahreszeit. Es gibt festgelegte Gebetsformeln, aber auch Raum für persönliche Gebete. Ein wichtiger Aspekt beider Religionen ist die Bedeutung von Gemeinschaftsgebeten, wobei Flexibilität im persönlichen Kontext und bei erschwerten Umständen eine Rolle spielt.

Praktische Impulse für den Unterricht

  • Einstiegsfrage: Wie können wir im Klassenzimmer einen respektvollen Umgang mit religiösen Gebetspraktiken fördern?
  • Höraufgabe: Achten Sie ab Minute 00:38 auf Misbahs Erklärung zur korrekten Aussprache des Wortes „Salah“ und darauf, wie sprachliche Nuancen Missverständnisse vermeiden können.
  • Diskussionsfrage: Diskutieren Sie, welche Rolle die vorgegebenen Gebetszeiten und -abläufe für die Gemeinschaftsbildung spielen und wie sie sich vom individuellen Gebet unterscheiden.

Arbeiten Sie mit den Bildimpulsen

    • Passende Bildimpulse-Karte: 18 Tefillah – Das tägliche Gebet
    • Passende Bildimpulse-Karte: 18 Salah – Das tägliche Gebet

Mehr Materialien

Dieser Podcast basiert auf unserer physischen Lernkartenbox „Bildimpulse: Judentum & Islam“ des Maimonides Bildungswerks. Mehr Informationen zu unseren Angeboten finden Sie unter Projekt Kompass.

Logo Demokratie leben