Kompass für pädagogische Fachkräfte
Folge 06: Die Engel (Mal’ach / Malak) – Verbindungspunkte in Judentum und Islam
Die Konzepte von Engeln und göttlichen Wesen können im Religions- oder Ethikunterricht Fragen von Schülerinnen und Schülern aufwerfen und bieten vielfältige Anknüpfungspunkte für den interreligiösen Dialog. Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte können durch diese Folge ihr Wissen über die Vorstellungen von Engeln im Judentum und Islam erweitern, um den Unterricht fundiert und sensibel zu gestalten.
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Mehr InformationenWarum dieses Thema für den Unterricht wichtig ist
Das Thema Engel ermöglicht es, über gemeinsame religiöse Wurzeln und gleichzeitig über unterschiedliche Interpretationen und Traditionen zu sprechen. Ein fundiertes Verständnis der Rolle von Engeln in beiden Religionen kann dazu beitragen, stereotype Vorstellungen abzubauen und den Respekt vor anderen Glaubensweisen zu fördern. Dies ist ein wichtiger Beitrag zur Extremismusprävention und zum Abbau von Vorurteilen, da es ein nuanciertes Bild religiöser Glaubensinhalte vermittelt und den Wert des Dialogs über gemeinsame theologische Konzepte hervorhebt.
Die Glaubensbrücke: Was wir in dieser Folge lernen
- Die jüdische Perspektive (Daniel): Im Judentum sind Engel Boten und Diener Gottes, die Botschaften überbringen, Menschen begleiten und beschützen sowie göttliche Befehle ausführen und Gott preisen. Bekannte Engel sind Michael, Gabriel, Uriel und Raphael, denen jeweils spezifische Aufgaben zugewiesen werden. Engel sind Teil der Schöpfung und werden als menschenähnliche Wesen mit Flügeln beschrieben, sind aber nicht aus Licht. Es gibt keine Vorstellung von „gefallenen Engeln“ im traditionellen Judentum; diese Idee kam erst mit dem persischen Exil auf. Im Gebet, insbesondere der Amida, fühlen sich Gläubige den Engeln am nächsten. Es gibt die Vorstellung, dass Engel nur ein Bein haben. Die Seele verlässt im Schlaf den Körper und kehrt zu Gott zurück. Der Begriff „Hörner“ für Mose in der hebräischen Sprache wird mit „Leuchten“ oder „Heiligenschein“ assoziiert und hat eine andere Bedeutung als die spätere negative Konnotation.
- Die muslimische Perspektive (Misbah): Im Islam sind Engel ein fundamentaler Glaubensbestandteil. Sie sind von Gott aus Licht erschaffen und sie besitzen keinen freien Willen, sondern gehorchen ausschließlich Gottes Befehlen. Sie dienen als Bindeglied zwischen Gott und den Menschen, übermitteln Botschaften und haben verschiedene Funktionen im Leben und im Kosmos. Zu den bekanntesten Engeln zählen Dschibril (Gabriel) als Übermittler göttlicher Offenbarung, Mika’il (Michael) als Versorger der Menschen, Azrail als Engel des Todes und Israfil als Ankündiger des Jüngsten Gerichts. Engel können menschliche Gestalt annehmen und sollen nicht mit menschlichen Sinnen wahrgenommen werden. Im Islam gibt es keine „gefallenen Engel“; die Geschichte des Teufels (Iblis) bezieht sich auf einen Dschinn, der freien Willen hatte und sich widersetzte. Muslime glauben, dass Engel in ihren Häusern anwesend sind und grüßen diese beim Betreten. Es gibt Schreiberengel, die gute und böse Taten notieren. Die Versorgung durch Gott (Risq) wird als ständiger Schutz durch Engel empfunden, der dem Menschen stets einen Ausweg oder eine Hoffnung bietet.
- Das verbindende Element (Die Glaubensbrücke): Beide Religionen verstehen Engel als wichtige göttliche Wesen, die als Boten und Diener Gottes fungieren und eine zentrale Rolle in der Kommunikation zwischen Gott und den Menschen spielen. Namen wie Gabriel (Dschibril) und Michael (Mika’il) sind in beiden Traditionen bekannt, auch wenn ihre spezifischen Aufgaben und Interpretationen variieren. Die Vorstellung von schützenden oder begleitenden Wesen ist ebenfalls eine Gemeinsamkeit. Das direkte Gespräch mit Gott im Gebet wird in beiden Religionen als ein Moment der besonderen Nähe zu diesen himmlischen Sphären verstanden.
Praktische Impulse für den Unterricht
- Einstiegsfrage: Welche Vorstellungen haben Ihre Schülerinnen und Schüler von Engeln und woher stammen diese Bilder?
- Höraufgabe mit Zeitstempel: Lassen Sie Ihre Schülerinnen und Schüler den Podcast-Abschnitt von Misbah (ab 01:06) und Daniel (ab 09:10) über die Rolle der Engel hören. Diskutieren Sie anschließend, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den jeweiligen Beschreibungen der Engel deutlich werden, wie etwa die Rolle von Mika’il (Michael) als Versorger im Islam versus Schutzpatron im Judentum.
- Diskussionsfrage: Wie können die unterschiedlichen oder ähnlichen Vorstellungen von Engeln in jüdischer und muslimischer Tradition dazu beitragen, stereotype Vorstellungen abzubauen und den interreligiösen Dialog zu fördern?
Arbeiten Sie mit den Bildimpulsen
- Passende Bildimpulse-Karte: 06 Mal’ach – Die Engel
- Passende Bildimpulse-Karte: 06 Malak – Die Engel
Mehr Materialien
Dieser Podcast basiert auf unserer physischen Lernkartenbox „Bildimpulse: Judentum & Islam“ des Maimonides Bildungswerks. Mehr Informationen zu unseren Angeboten finden Sie unter Projekt Kompass.

