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Am Abend des 15. September versammelte sich ein vielfältiges Publikum im Weiterbildungszentrum in Ingelheim, um Sarah Levy, freie Journalistin, Autorin und freie Mitarbeiterin im Maimonides Bildungswerk, live zu erleben: In ihrer Lesung „Kein anderes Land“ gewährte sie bewegende Einblicke in ein Leben zwischen Krieg, Flucht und der Suche nach Identität. Die Autorin berichtete von dem Leben vor und nach dem 7. Oktober 2023 in Israel – ein Land, das sich durch gesellschaftliche Brüche, spaltende Politik und einen zerstörerischen Krieg zunehmend radikalisiert.
Die Veranstaltung wurde vom Maimonides Bildungswerk in Kooperation mit dem Weiterbildungszentrum Ingelheim (WBZ) organisiert und durch die Partnerschaft für Demokratie der Stadt Ingelheim gefördert. Sie richtete sich an eine offene Zielgruppe – alle Interessierten waren eingeladen, sich auf diesen besonderen Abend einzulassen.
„Ist das noch mein Land?“ – Ein Leben im Ausnahmezustand
Sarah Levy schildert, wie sich die politische Landschaft in Israel seit dem Regierungswechsel radikal verändert hat: Wie Gesellschaften durch Polarisierung gespalten werden, wie Freundschaften belastet sind, wie Nachbarn schnell urteilen und Krieg nicht nur im Fernsehen stattfindet, sondern im Alltag, im Schutzbunker, in den eigenen Gedanken.
Sie spricht von einer Heimat, bei der Zugehörigkeit und Entfremdung oft dicht beieinander liegen – und von einer Identität, die zwischen mehreren Welten schwankt. Der Erzählton mischt Reflexion, Schmerz, Medienberichte, Kritik und Sehnsucht. Mehr als nur ein Bericht: Ein Plädoyer für Menschlichkeit auch dort, wo Gewalt und Hass scheinbar alles verschlingen.
Dialog als Brücke
Nach der Lesung öffnete Sarah Levy den Raum für Fragen und Diskussion: Das Publikum wollte wissen, wie sie mit Schuldgefühlen umgeht, wie sie die Rolle des Schweigens erlebt und welche Visionen sie für den Frieden und das Zusammenleben in geteilten Ländern hat. Der Austausch war intensiv, aufmerksam und geprägt von Respekt. Viele Teilnehmende berichteten später, wie sehr diese persönlichen Erzählungen das Verständnis vertieften – jenseits von Schlagzeilen und politischer Debatte.
Reflexion und Bedeutung
Die Veranstaltung zeigt, wie wichtig Geschichten wie die von Sarah Levy sind: Sie bringen komplexe Situationen sichtbar – nicht als Schwarz-Weiß, sondern in all ihren Grau- und Farbtönen. Sie fordern auf, zuzuhören, auch wenn das Gehörte schmerzt. Und sie erinnern daran, dass Heimat nichts Statisches ist, sondern ein sensibles Geflecht aus Vergangenheit, Beziehung, Sprache und Zugehörigkeit.
Für das Maimonides Bildungswerk ist „Kein anderes Land“ eine Lesung, die Brücken baut – zwischen Kulturen, Religionen und politischen Erfahrungen. Sie eröffnet Wege zum Verständnis, zum Mitgefühl und zur Teilnahme – im besten Sinne als Teil einer demokratischen Gesellschaft.
Sarah Levy fasst es so zusammen:
„Für mich war die Lesung eine Begegnung – von Menschen, die ihr Herz geöffnet haben für einen differenzierten Blick auf einen Konflikt, von dem man oft meint, schon alles zu wissen. Vor allem aber eine Begegnung, auch und gerade von jüdischen und muslimischen Menschen, die bereit waren und sind, sich gegenseitig zuzuhören, den Schmerz des Anderen anzuerkennen, und sich selbst gesehen fühlen, in ihrem eigenen Schmerz. Maimonides schafft mit diesem und vielen weiteren Projekten die Grundlage für das Überbrücken von Feindschaften und Differenzen.“